Workshop über Geld und unser Nervensystem

Inspiration
23.10.2026

Bei Geld denken wir meistens an Zahlen: Kontostand, Rendite, Budget. Am 8. Oktober 2026 hat Dr. Siobhán Ewert für uns ein Webinar gehalten. Viele klimja Anleger:innen und Begleiter:innen sind der Einladung gefolgt und waren live dabei. Dr. Ewerts Vortrag ist auf Youtube nachzusehen: hier geht es zum aufgezeichneten Workshop. Im weiteren gibt es einen kurzen Einblick in diesen aufschlussreichen Abend.

Warum tun wir uns mit Geld so schwer? Ein Blick auf Geld und Nervensystem

Die Fragen, die Dr. Siobhán Ewert in den Mittelpunkt des Webinars stellten waren: Was macht Geld mit mir, und was in mir steuert eigentlich mein Geldverhalten? 
Dr. Siobhán Ewert ist Ärztin, Neuro-Wissenschafterin. Sie war in der Unternehmensberatung tätig und hat ein eigenes Business gegründet und verkauft. Dr. Ewerts Antwort kommt aus dem Nervensystem.

Ziele Workshop Geldsystem

Geld ist nicht neutral

Zum Einstieg des interaktiven Webinars gab es eine kurze Körperübung mit vier Szenarien:

- „Mein Kontostand sinkt deutlich.“
- „Jemand schenkt mir Geld, ohne Gegenleistung.“
- „Ich erstelle einen Finanzplan.“
- „Ich treffe eine finanzielle Entscheidung und stehe dazu, auch wenn andere es anders machen würden.“

Bei jedem Szenario ging es darum, wahrzunehmen, was im Körper passiert: Anspannung, Enge, veränderter Atem, Herzschlag, vielleicht Taubheit oder auch Entspannung. Das Ergebnis: Geld ist für unseren Körper nicht neutral. Und nicht alles, was um Geld herum in uns abläuft, ist uns bewusst.

Das Nervensystem kurz erklärt

Dr. Siobhán Ewert bezieht sich auf das autonome Nervensystem, also das, was wir nicht willentlich steuern. Der Sympathikus aktiviert, der Parasympathikus bremst und lässt uns entspannen. Ein gewisses Maß an Aktivierung ist hilfreich und gehört zur sogenannten Wachstumszone. Steigt die Bedrohung weiter, landen wir in Kampf, Flucht oder Erstarrung. Dann wird die Aufmerksamkeit eng und der Handlungsspielraum schrumpft, und wir treffen womöglich Entscheidungen, die nicht in unserem Interesse sind.

Geld ist eine Idee, und deshalb zählt unsere Deutung

Auf Gesichtsausdrücke oder Tonfall reagiert unser Körper direkt. Geld ist dagegen etwas Fiktives, das nur in unserer Vorstellung existiert. Deshalb erreicht es unser Nervensystem nur über unsere persönliche Interpretation. Diese ist nach Siobhán Ewerts Erfahrung extrem unterschiedlich. Sie speist sich aus erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen und aus Bedrohungen, die wir meist in der Kindheit verinnerlicht haben.

Wann Geld sich schwer anfühlt

Offiziell ist Geld Tauschmittel und Wertaufbewahrung. Unbewusst wird es schnell zur Projektionsfläche für Schutz, Freiheit, Zugehörigkeit, Anerkennung, Selbstwert oder Liebe. Ihre Hypothese: Geld fühlt sich schwer an, wenn es etwas leisten soll, wofür es nicht gemacht ist.

Was Geld kann:
- kognitiv regulieren, zum Beispiel durch das Wissen, dass Ende des Monats das Gehalt kommt
- Handlungsspielraum eröffnen
- Bedürfnisse indirekt erfüllen, etwa indem es Raum für eine Auszeit schafft

Was Geld nicht kann:
- tief verankerte, internalisierte Bedrohungen erreichen
- heilen oder glücklich machen

Daraus leitet sie auch ein bekanntes Phänomen ab: Die kurzfristige Entlastung fühlt sich gut an, also wollen wir mehr davon, aber die Grundbedrohung bleibt. So entsteht der Eindruck, nie genug zu haben. Ihr Fazit: Eine veränderte finanzielle Lage bedeutet noch keine veränderte innere Bedrohungserwartung.

Siobhan Ewert Geld Nervensystem Workshop

Money Mapping: drei Fälle aus der Praxis

Siobhán Ewert arbeitet mit Money Mapping, einer interviewbasierten Methode, die sie über Jahre entwickelt hat. Man startet beim Geld, folgt den Körpersignalen und fragt: Wovor will sich dieses System schützen? Es ist keine Therapie und keine biografische Aufarbeitung, und es wird kein Trauma angefasst. Ziel ist, ein „zentrales Organisationsprinzip" sichtbar zu machen. Drei anonymisierte Beispiele:

1. Geld kommt rein und ist sofort wieder weg. Eine finanziell versorgte Frau gab Geld immer binnen Tagen aus. Im Mapping zeigte sich der tief verankerte Glaubenssatz, dass man als Frau keine Macht halten kann. Schnelles Ausgeben entlastete die Anspannung und stabilisierte vertraute Rollen. Nach dem Mapping strukturierte sie ihren Tag und nahm ihr Business wieder auf.

2. Großes Polster, aber kein Frieden. Ein erfolgreicher Unternehmer entspannte sich nur, solange er sich seinen Puffer bewusst machte. Sein Grundprinzip: Ich will die Kontrolle über meine Gefühle haben. Der Puffer reguliert, muss aber selbst geschützt werden und bindet Aufmerksamkeit und Kapital.

3. „Wenn Geld ins Spiel kommt, verschwinde ich." Eine erfahrene Beraterin verdiente trotz Top-Expertise gerade genug zum Leben. Mehr Geld hieß für ihr System: mehr Selbstaufgabe. Nach dem Mapping war sie bereit, mehr zu verlangen und sichtbarer zu werden.

Der Prozess umfasst üblicherweise eine Mapping-Session und zwei Auswertungssessions über etwa drei Wochen, am Ende steht ein Report.

Der Blick aufs Große

In der Diskussion ordnete Dr. Ewert Geld als „diagnostischen Spiegel" ein: Gerade weil es nur in unserer Vorstellung existiert, zeigt sich an ihm klar, wo wir uns unsicher fühlen. Sie ist nach eigener Aussage kein Gegnerin des Kapitalismus. Ihre Vision ist, dass mehr Nervensysteme aus dem Überlebensmodus finden. Dann könnte Geld freier fließen, auch in Klima und Soziales, und müsste kein Grundbedürfnis mehr erfüllen, das es ohnehin nicht erfüllen kann.

Zum Mitnehmen

Wer mag, kann sich diese Fragen stellen: Was soll Geld mir ermöglichen? Welches Bedürfnis soll es für mich stillen? Wovor soll es mich schützen?

Wer nun mit Dr. Siobhán Ewert in Kontakt treten möchte:
LinkedIn: linkedin.com/in/dr-siobhan-ewert/
Newsletter (Englisch): siobhanewert.com/newsletter
Website: www.siobhanewert.com

Hinweis: Das sind Erfahrungswerte und Hypothesen aus Siobhán Ewerts eigener Arbeit, keine Therapie und keine Finanzberatung. Sie selbst hat betont, dass alles zur Diskussion offen ist. Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei ihr einen Newsletter mit Money Quiz, 1:1-Sessions und ein kostenloses 20-Minuten-Kennenlerngespräch.

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